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Therapie des fortgeschrittenen Mammakarzinoms - Systemtherapie bei Fernmetastasierung: Einleitung

Autor/en: A.C. Regierer, K. Possinger
Letzte Änderung: 17.10.2005

Als systemische Therapie im metastasierten Stadium kommen sowohl eine Hormon- als auch eine Chemotherapie in Betracht. Die Frage, ob bei indolentem Krankheitsverlauf schon beim ersten Nachweis von Metastasen eine sofortige Systemtherapie erforderlich ist oder ob mit deren Einsatz bis zum Nachweis einer eindeutigen Progression bzw. bis zum Auftreten von Beschwerden zugewartet werden kann, ist gegenwärtig nicht definitiv zu beantworten.
Für einen frühen Einsatz sprechen die psychische Situation der Patientinnen und die Wahrscheinlichkeit, dass weniger weit fortgeschrittene Tumoren weniger Resistenzen gegen eine Chemotherapie aufweisen.
Kommt eine systemische Behandlung in Betracht, müssen folgende Faktoren berücksichtigt werden (s. Tab. 9.1):

Tab. 9.1: Für die Therapieentscheidung relevante Faktoren

Biologische prognostische Faktoren

Patientenbezogene Faktoren

Therapiebezogene Faktoren

Geschwindigkeit der Krankheitsausbreitung

körperliche Leistungsfähigkeit

Art der Vorbehandlung (Strahlen-, Hormon-, Chemotherapie)

Zeitraum zwischen Primärdiagnose und Metastasennachweis

tumorbedingte Beschwerden

Ausmaß der Vorbehandlung

Lokalisation der Metastasen (unmittelbar lebenswichtige Organe?)

psychische Einstellung zur Behandlung

Art und Ausmaß therapiebezogener Nebenwirkungen

Ausmaß der manifesten Tumormasse

Komorbidität

 

Als sehr hilfreich für die Bewertung biologischer Faktoren hat sich klinisch eine Prognose-Einstufung erwiesen, die zwischen günstiger, intermediärer und ungünstiger Prognose unterscheidet. Dabei lassen sich 3 Untergruppen bilden, die ein unterschiedliches therapeutisches Vorgehen sinnvoll erscheinen lassen (s. Tab. 9.2)

Tab. 9.2: Prognosebewertungsskala mit Gewichtung von Prognosefaktoren für systemische Therapiemaßnahmen im metastasierten Erkrankungsstadium nach [Possinger K 1993]

Kriterien

Punkte

Krankheitsfreies Intervall

>2 Jahre

1

</= 2 Jahre

3

Metastasenlokalisation

Knochen, Haut, Weichteile, Erguss

je 1

Knochenmarkkarzinose (mit peripherer Zytopenie)

4

Lunge (</= 10 Knoten)

3

Lunge (>10 Knoten)

5

Lymphangiosis pulmonis (mit klinischer Symptomatik)

6

Leber

6

Rezeptorstatus

positiv

1

unbekannt

2

negativ

3

Prognoseeinstufung

günstig

<7

intermediär

7-11

ungünstig

>/= 11

Wesentliche Unterschiede zwischen Hormon- und Chemotherapien bestehen (nach [Possinger K 1993] ) vor allem in der Ansprechwahrscheinlichkeit und -geschwindigkeit sowie im Nebenwirkungsprofil.
Hormontherapien gehen im Vergleich zu Polychemotherapien mit niedrigeren Ansprechraten und einer langsameren Remissionsinduktion einher, weisen dafür aber ein günstigeres Nebenwirkungsspektrum und möglicherweise ein längeres Anhalten des Therapieerfolgs auf.
Auf das Gesamtüberleben scheint es sich nicht generell auszuwirken, ob mit einer Chemotherapie oder einer Hormontherapie begonnen wird. Dementsprechend kommen für eine primäre Hormontherapie vor allem die Frauen in Frage, die Hormonrezeptor-positive Tumoren, eine langsame Progression des Tumorgeschehens und geringe tumorbedingte Beschwerden aufweisen.
Patientinnen hingegen, die ein rasches Tumorfortschreiten, verbunden mit deutlichen tumorbedingten Beschwerden, aufweisen, sollten einer zytostatischen Behandlung zugeführt werden (s. Abb.). Bei einer Stabilisierung des Krankheitsgeschehens oder einer Besserung der Beschwerden kann jedoch auch dann der Wechsel zu einer Hormontherapie in Betracht gezogen werden.

Mammaca_9_TherFortgeschritt_3_Systemtherapie_Mammaca_abb8.gif

Abb.: Schematische Darstellung der Behandlungsstrategie beim metastasierten Mammakarzinom; s.a. [DKG 2004]; Information zur Publikation der S3-Leitlinie und PDF-Version Juli 2004 bei www.krebsgesellschaft.de, HTML-Version Juni 2004 bei AWFM online.

Literaturreferenzen:

  • DKG.
    Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms der Frau. Eine nationale S3-Leitlinie, 2004. www.krebsgesell-schaft.de


  • Possinger K, Wilmanns W.
    [Palliative therapeutic control of tumor progression in patients with metastatic breast cancer].
    Internist (Berl) 1993;34:340-350. PM:7683634
    [Medline]


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