Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Adjuvante Therapie des invasiven Mammakarzinoms im Stadium I-III: Einleitung

Autor/en: A.C. Regierer, K. Possinger
Letzte Änderung: 17.10.2005

In engem Zusammenhang mit Prognosefaktoren, z.B. Tumorgröße und Ausmaß des Befalls axillärer Lymphknoten, kommt es trotz Operation und Strahlentherapie bei mehr als einem Drittel aller Patientinnen mit Brustkrebs zu einem Erkrankungsrückfall.
Exakte Daten über Spontanverläufe (ohne adjuvante systemische Therapie) sind nur noch aus historischen Studien zu erhalten, die neben einer Hormon- bzw. Chemotherapiegruppe noch eine unbehandelte Kontrollgruppe umfassten (s. Tab. 8.6). Diese Daten sind dementsprechend von erheblicher Bedeutung, da sie helfen, die Effektivität neuer Chemotherapieschemata realistisch einzuschätzen.

Tab. 8.6: 10-Jahre-krankheitsfreies Überleben in Abhängigkeit von Tumorgröße und Lymphknotenbefall ohne systemische Therapiemaßnahmen nach [Loprinzi CL 2001]

Lymphknoten

Tumorgröße

n

<1 cm

1-2 cm

2-3 cm

3-4 cm

4-5 cm

>5 cm

0

90%

81%

75%

69%

63%

56%

1-3

60%

56%

50%

47%

42%

37%

4-6

46%

42%

38%

35%

31%

27%

6-9

36%

32%

29%

26%

21%

18%

>/= 10

22%

19%

17%

16%

14%

13%

Ziel adjuvanter systemischer Behandlungsmaßnahmen ist es, durch die Vernichtung verborgener Mikrometastasen, die sich nach der Entfernung des Primärtumors und der axillären Lymphknoten noch im Organismus befinden und Ausgangspunkt für ein lokoregionäres Rezidiv oder eine Fernmetastasierung werden können, die Behandlungsergebnisse zu verbessern.
Zum Einsatz kommen gegenwärtig vor allem antihormonelle und zytostatische Therapien. Möglicherweise wird zukünftig das Medikamentenspektrum durch zusätzliche Therapieverfahren wie die Gabe von Bisphosphonaten, von Antikörpern, die gegen Tumorzellen, Wachstumsfaktor-Rezeptoren oder Onkogenprodukte gerichtet sind, oder von Medikamenten, die die Tumorangiogenese unterdrücken, erweitert.

Vor Beginn einer adjuvanten Chemotherapie müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • adäquates Staging der Axilla;
  • Ausschluss von Fernmetastasen (Minimalprogramm: Rö-Thorax, Oberbauchsono, Skelettszintigramm)
  • Einverständnis der Patientin nach eingehender Aufklärung (auch außerhalb von Studien);
  • gesicherte ständige ärztliche Betreuung;
  • Zuverlässigkeit der Patientin;
  • gesicherte Durchführung der Therapie;
  • Karnofsky-Index >70%;
  • keine Kontraindikationen gegen Chemo- bzw. Hormontherapie.

Bei prämenopausalen Patientinnen muss die Kontrazeption gesichert werden.

Empfehlungen zur Durchführung der adjuvanten Therapie:

  • Beginn innerhalb von 4-6 Wochen postoperationem;
  • unbedingt errechnete Solldosis der Therapieschemata applizieren;
  • möglichst keine Intervallverlängerungen.

Als entscheidend für die Therapiewahl werden folgende Faktoren angesehen:

  • die Tumorgröße,
  • das Ausmaß des axillären Lymphknotenbefalls,
  • das Alter bzw. der Menopausenstatus,
  • der Hormonrezeptor-Status (ER und PgR) und
  • das Grading;
  • HER2/neu-Status;
  • Gefäßinvasion.

Der Stellenwert weiterer Faktoren wie uPA, PAI-1, p53 oder disseminierte Tumorzellen ist noch nicht ausreichend geklärt, sodass diese Parameter derzeit nicht für die Festlegung der Behandlungsstrategien eingesetzt werden. Gleiches gilt für Proliferationsmarker (Ki67, S-Phase-Anteil).

Literaturreferenzen:

  • Loprinzi CL, Thome SD.
    Understanding the utility of adjuvant systemic therapy for primary breast cancer.
    J Clin Oncol 2001;19:972-979. PM:11181659
    [Medline]


Bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag"; Publikation als Buch: Deutscher Ärzte-Verlag  Deutscher Ärzte-Verlag
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