Prävention des Mammakarzinoms

Autor/en: A.C. Regierer, K. Possinger
Letzte Änderung: 17.10.2005

Primäre Prävention (Brustkrebsvorbeugung)

Unter primärer Prävention versteht man die Vorbeugung einer Brustkrebsentwicklung. Dies scheint durch eine gesundheitsbewusste Lebensweise, kalorienarmes Essen, Sport und Verzicht auf Alkohol in begrenztem Ausmaß möglich. Diätetische Strategien zielen in erster Linie auf eine Reduktion von Übergewicht. Die mögliche präventive Wirkung von speziellen Nahrungsbestandteilen wie Indol-3-Carbinol, das z.B. vermehrt in Gemüsen wie Broccoli und verschiedenen Kohlsorten vorkommt, wird gegenwärtig ebenso wie die Einnahme von Vitamin A, Flavonen und Anthozyaninen in Studien untersucht.

Der präventive Wert des Stillens ist zwar messbar, insgesamt aber marginal; so beträgt das relative Risiko, ein Mammakarzinom zu entwickeln, bei einer Stillzeit <6 Monate 0,99, bei einer Stillzeit von 7-18 Monaten 0,95.

Hormonelle Präventionskonzepte umfassen die Suppression der Östrogenproduktion (Ovarektomie, Radiomenolyse, GnRH-Analoga, Aromatasehemmer) und den Einsatz von sog. SERM-Substanzen (selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren).
Die meisten Erfahrungen zur medikamentösen Prävention liegen mit SERM-Substanzen vor. Die wichtigsten SERM-Substanzen sind Tamoxifen und Raloxifen.
Grundlage für die Überlegung, Tamoxifen präventiv einzusetzen, war die Beobachtung, dass Patientinnen, die postoperativ eine adjuvante Behandlung mit Tamoxifen erhalten hatten, nicht nur ein geringeres Rückfallrisiko und ein längeres Gesamtüberleben aufwiesen, sondern auch signifikant seltener Mammakarzinome in der gegenüberliegenden Brust entwickelten.
Die größte Studie zur Brustkrebsprävention mit Tamoxifen (NSABP P1) wurde nach Rekrutierung von über 13.000 Patientinnen wegen einer eindeutig positiven Datenlage vorzeitig beendet [Fischer B 1998]. In dieser Studie erhielten Patientinnen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko über einen Zeitraum von 5 Jahren entweder Tamoxifen oder ein Placebopräparat. Es zeigte sich, dass durch Tamoxifen das Auftreten invasiver und nicht invasiver Mammakarzinome signifikant reduziert werden konnte. Die Effekte waren allerdings nur auf Hormonrezeptor-positive Tumoren beschränkt, wohingegen keine Senkung der Inzidenz hormonunempfindlicher Karzinome zu verzeichnen war.
Bei allen Patientinnen ließ sich überdies ein osteoprotektiver Effekt nachweisen, der zu einer signifikanten Verminderung pathologischer Knochenfrakturen führte.
Diesen günstigen Effekten standen jedoch eine signifikante Erhöhung der Rate an Endometriumkarzinomen (RR 2,4; 95% KI 1,5-4,0; p=0,0005) und vaskulären Komplikationen gegenüber (RR 1,9; 95% KI 1,4-2,6; p<0,0001).
Das günstigste Nutzen/Risiko-Verhältnis fand sich bei jüngeren Frauen (aufgrund der Zunahme unerwünschter Wirkungen mit dem Alter), Frauen nach Hysterektomie bzw. Frauen mit höherem Brustkrebsrisiko.

Die Ergebnisse der NSABP-Studie (s. Tab. 3.1 in dem Buch "Mammakarzinom", S. 8, Deutscher Ärzte-Verlag 2005) konnten durch kleinere Studien in unterschiedlichem Ausmaß bestätigt werden [Veronesi U 2002] [Powles T 1998]. Eine Meta-Analyse zeigte schließlich eine Senkung des relativen Brustkrebsrisikos um 38% (95% KI 28-46%, p<0,0001) [Cuzick J 2003].

Im Vergleich zu Tamoxifen entfaltet Raloxifen eine sehr gute antiosteoporotische Wirkung, ohne jedoch die Endometriumkarzinomrate oder die Anzahl kardiovaskulärer Komplikationen zu erhöhen. Aufgrund dieser Daten wurde eine weitere Studie zum Vergleich von Tamoxifen und Raloxifen in der Reduktion des invasiven Mammakarzinoms (STAR) begonnen, in die seit 1999 Patientinnen eingeschlossen werden.

Tumoren von BRCA-1-positiven Patientinnen sind meist Hormonrezeptor-negativ. Unklar ist, ob auch ihre Inzidenz durch SERM-Substanzen reduziert wird. Für BRCA-2-Positive scheint dies möglich.

Sekundäre Prävention (Früherkennung)

Sekundäre Prävention bezeichnet die frühe Diagnose einer bereits bestehenden Erkrankung. Durch ein qualitätsgesichertes, fachübergreifendes Brustkrebs-Früherkennungs-Programm kann voraussichtlich eine erhebliche Reduktion der Brustkrebsmortalität erreicht werden. Dieses Programm kann im Rahmen eines altersadaptierten Stufenprogrammes erfolgen.

Vorgehen:

Die Selbstuntersuchung der Brust (s. Abb.) trägt wesentlich zur individuellen Motivation und Bewusstseinsförderung für präventive Maßnahmen bei. Sie ist wichtig, da die überwiegende Zahl maligner Mammatumoren von den betroffenen Frauen selbst entdeckt wird.

Die regelmäßige, sachgerechte Selbstuntersuchung begünstigt die Entdeckung von Karzinomen.

Voraussetzung für eine Selbstuntersuchung ist die eingehende und wiederholte Erläuterung des Untersuchungsvorgangs durch den Hausarzt/Gynäkologen. Allerdings stellt die Selbstuntersuchung - selbst bei optimaler Durchführung - keine hinreichend effiziente Früherkennungsmaßnahme dar.
Unter günstigen Tastbedingungen sind bei normal großer Brust allenfalls Veränderungen zwischen 1 und 2 cm Größe feststellbar. Wünschenswert wäre der Nachweis von Tumoren <1cm, da hier mehrheitlich noch keine Lymphknoten- oder gar Fernmetastasen vorliegen. Solch kleine Tumoren hilft die Mammographie aufzudecken.

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Abb.: Vorgehen bei der Brustuntersuchung.

Zusammenfassung

Literaturreferenzen: