Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Rezidivtherapie des Morbus Hodgkin beim Erwachsenen

Autor/en: B. Klimm, K. Behringer, A. Engert
Letzte Änderung: 16.09.2004

Die Therapie der Rezidive erfolgt in kurativer Absicht.

Im Fall eines Rezidivs ist ein komplettes Restaging zur genauen Erfassung der Krankheitsausbreitung erforderlich. Ziel der Rezidivtherapie ist das Erreichen einer erneuten anhaltenden Remission.

Für die Wahl der Rezidivtherapie spielen viele Faktoren eine bedeutende Rolle, darunter fallen: Stadium und histologischer Subtyp von Primärtumor und Rezidiv, histologische Sicherung (Cave: Sekundärneoplasien), Alter des Patienten, Dauer der kompletten Remission (3-12 Monate = Frührezidiv, >12 Monate = Spätrezidiv), initiale Therapie, Rezidiv im oder außerhalb des Strahlenfeldes. Nach alleiniger Strahlentherapie kann ein großer Teil der Patienten durch Gabe eines Primärchemotherapieschemas in eine anhaltende Remission gebracht werden. Da die individuelle Rezidivtherapie allerdings von vielen Faktoren abhängig ist, sollte für die Entscheidungsfindung immer ein onkologisches Zentrum konsultiert werden.

Kurative Therapieoptionen eines Rezidivs können je nach Situation und histologischem Subtyp eine Salvagestrahlentherapie, eine konventionelle Salvagechemotherapie, eine Antikörpertherapie oder eine Hochdosischemotherapie (HDCT) mit autologer (oder allogener) Stammzelltransplantation (ASCT) beinhalten.

Nach alleiniger Strahlentherapie kann ein großer Teil der Patienten durch Gabe eines Primärchemotherapieschemas in eine anhaltende Remission gebracht werden. Rezidive nach Polychemotherapie müssen in der Regel mit einer speziellen "Salvagetherapie" behandelt werden. Da diese Salvagetherapien in der Regel sehr aggressiv sind, muss die Behandlung unter stationärer Kontrolle erfolgen.

Hochdosischemotherapie und autologe Stammzelltransplantation

Die autologe Stammzelltransplantation (ASCT) nach Hochdosistherapie hat sich gegenüber der autologen Knochenmarktransplantation (ABMT) als Standard durchgesetzt. Mit Hilfe der PBSCT (Periphere Blutstammzelltransplantation) und der Gabe von Wachstumsfaktoren können effektive Chemotherapieschemata in hohen Dosen gegeben werden. Wichtige prognostische Faktoren für die Hochdosischemotherapie mit autologer Stammzelltransplantation sind der Zeitraum zwischen Primärtherapie und Rezidiv, die Chemosensitivität des Tumors und das Stadium vor Therapiebeginn. Weiterhin beeinflusst die Tumormasse das Ergebnis der Hochdosistherapie. Daher sollte das Tumorvolumen vor Beginn einer Chemotherapie mit konventioneller Salvagechemotherapie verringert werden. Die Hochdosischemotherapie mit autologer Stammzelltransplantation weist gute Ergebnisse auf. In der HD-R1 Studie der EBMT/GHSG [Schmitz N 2002] konnte ein signifikant besseres ereignisfreien Überleben für die Hochdosischemotherapie gegenüber der konventionellen Chemotherapie gezeigt werden. Diese Therapieform hat sich derzeit als Standard in der Rezidivtherapie durchgesetzt.

Aktuell werden Patienten mit Früh- und Spätrezidiven im Rahmen einer randomisierten klinischen Studie (HD-R2) nach 2 Zyklen DHAP und Stammzellapherese entweder mit BEAM oder mit einer zusätzlichen sequenziellen Hochdosischemotherapie gefolgt von BEAM behandelt [Glossmann JP 2002]. Bei der sequenziellen Hochdosischemotherapie werden nach initialer Zytoreduktion mit DHAP in kurzen Abständen wenige hochdosierte nicht-kreuzresistente Substanzen sequenziell verabreicht. Auch erwies sich die in einer Phase-II-Studie evaluierte zytotreduktive Therapie mit DHAP als effektiv und von Patienten gut toleriert [Josting A 2002b] (siehe "aktuelle Therapiestudien").

Allogene Stammzelltransplantation

Die allogene Stammzelltransplantation für Patienten mit Rezidiv eines Hodgkin-Lymphoms konnte sich aufgrund der hohen transplantationsassoziierten Mortalität noch nicht als primäre Rezidivtherapie durchsetzen. Allerdings handelt es sich bei den bisherigen Beobachtungen oftmals um mehrfach vorbehandelte Patienten mit schlechtem Allgemeinzustand und Risikoprofil. Eine Alternative zu der klassischen allogenen Transplantation stellt die allogene Stammzelltransplantation nach einer nicht-myeloablativen Konditionierung ("Mini-Allo") dar. Aktuell soll dieser Ansatz mit deutlich verminderter Toxizität innerhalb einer HD-R Allo Studie geprüft werden [Schmitz N 2004].

Vorgehen bei einem Rezidiv im Einzelnen

  1. Unbedingt histologische Sicherung des Rezidivs, soweit notwendig auch mediastinal (Mediastinoskopie) oder abdominell (Laparatomie). Möglicherweise erlaubt eine PET-Aufnahme eine gute Aussage über die Vitalität des Tumors, die Ergebnisse größerer klinischer Studien stehen aber noch aus.
  2. Komplettes Staging.
  3. Therapie so rasch wie möglich beginnen.

Aktuelle Rezidivstartegien können in der Studienzentrale der DHSG unter 0221-478-6032/-3555 erfragt werden.

Eine Nachbestrahlung mit 30 Gy ist nach der Salvage-Chemotherapie möglich, sofern die Region bisher unbestrahlt ist. Patienten mit intensiver infradiaphragmaler Vorbestrahlung haben häufig eine eingeschränkte Knochenmarkreserve, so dass eine Stammzellapherese vorsichtshalber möglichst früh im Rahmen der Rezidivtherapie erfolgen sollte. Eine weitere Apherese zu einem späteren Zeitpunkt ist unter dem Aspekt der wahrscheinlich geringeren Kontamination mit Tumorzellen sinnvoll.

Rezidivpatienten sollten in Zusammenarbeit mit erfahrenen hämatologischen Einrichtungen behandelt werden; dies gilt insbesondere bei Patienten mit mehrfachem Rezidiv.

Literaturreferenzen:

  • Glossmann JP, Josting A, Pfistner B, et al.
    A randomized trial of chemotherapy with carmustine, etoposide, cytarabine, and melphalan (BEAM) plus peripheral stem cell transplantation (PBSCT) vs single-agent high-dose chemotherapy followed by BEAM plus PBSCT in patients with relapsed Hodgkin's disease (HD-R2).
    Ann Hematol 2002;81:424-429. PM:12223998
    [Medline]


  • Josting A, Rudolph C, Reiser M, et al.
    Time-intensified Dexamethasone/ cisplatin/ cytarabine: an effective salvage therapy with low toxicity in patients with relapsed and refractory Hodgkin's disease.
    Ann Oncol 2002b;13:1628-1635. PM:12377653
    [Medline]


  • Schmitz N, Sureda A, Robinson S.
    Allogeneic transplantation of hematopoietic stem cells after nonmyeloablative conditioning for Hodgkin's disease: indications and results.
    Semin Oncol 2004;31:27-32. PM:14970934
    [Medline]


  • Schmitz N, Pfistner B, Sextro M, et al.
    Aggressive conventional chemotherapy compared with high-dose chemotherapy with autologous haemopoietic stem-cell transplantation for relapsed chemosensitive Hodgkin's disease: a randomised trial.
    Lancet 2002;359:2065-2071. PM:12086759
    [Medline]


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